← Zurück zu allen Tipps

Gordiola: Glasbläserei bei Algaida auf Mallorca

Gordiola: Glasbläserei bei Algaida auf Mallorca

Wenn Sie von der Finca aus Richtung Manacor fahren, taucht nach wenigen Minuten links der Straße etwas auf, das man auf Mallorca nicht erwartet: eine wehrhafte Burg mit Zinnen und Rundtürmen, mitten zwischen Mandelbäumen. Das ist kein mittelalterliches Bauwerk, sondern die Manufaktur von Gordiola – Mallorcas ältester Glasbläserei und einem der schönsten Orte der Insel, um echtem Handwerk bei der Arbeit zuzusehen. Der Eintritt in die Werkstatt und den Verkaufsraum kostet nichts, und man kann jederzeit spontan hineinspazieren.

Die Glasbläserei Gordiola bei Algaida: seit 1719 brennen die Öfen

Die Geschichte beginnt 1719 in Palma: Der junge Handwerker Blas Rigal erhielt die Genehmigung, einen Glasofen zu betreiben. Finanziert wurde das Ganze von einem Kaufmann der Familie Gordiola, die den Betrieb ab 1740 vollständig übernahm – und ihn seither führt. Elf Generationen sind es inzwischen; die Öfen sind nie ausgegangen.

Über zweihundert Jahre lang stand die Werkstatt in der Palmesaner Altstadt, im Carrer de la Portella. Erst 1973 zog Gordiola an die Landstraße Ma-15 zwischen Palma und Manacor, direkt in die Gemeinde Algaida. Das burgenähnliche Gebäude, das Sie heute sehen, wurde bewusst als Hommage an den Almudaina-Palast in Palma entworfen – ein bisschen Theater, aber ein herzliches.

Zu Gast in der Werkstatt: Glas bei über 1.000 Grad

Im Erdgeschoss liegt das Herzstück: die offene Werkstatt. Hier stehen die Glasbläser an den glühenden Öfen, in denen der Sand bei über 1.000 Grad schmilzt, und arbeiten – auf wenige Meter Abstand, ohne Glasscheibe dazwischen. Sie sehen, wie an der langen Pfeife ein Klumpen zähflüssiges Glas hängt, wie er gedreht, geblasen, mit Zange und Holzform in Gestalt gebracht wird und dabei von Orange über Rot zu Durchsichtig abkühlt.

Es ist erstaunlich, wie schnell das geht: Ein Trinkglas entsteht in wenigen Minuten. Jedes Stück wird einzeln von Hand gemacht, mit Techniken, die sich in drei Jahrhunderten kaum verändert haben. Für Kinder ist das oft der Höhepunkt eines ganzen Mallorca-Urlaubs – die Hitze, das Feuer, das Zischen beim Abschrecken.

Glasbläser formt an der Glasmacherpfeife eine glühende Glasblase vor dem offenen Ofen

Ein Hinweis für die Planung: Die Bläser arbeiten vor allem vormittags an Werktagen. Wer die Öfen wirklich in Betrieb erleben möchte, kommt am besten am frühen Vormittag – am Nachmittag und an Wochenenden kann die Werkstatt ruhen. Fragen Sie die aktuellen Zeiten am besten vorab kurz nach.

Das Glasmuseum: 3.000 Stücke von der Antike bis heute

Eine Etage höher liegt das Museu del Vidre, das die Familie 1977 eröffnet hat. Mit über 3.000 ausgestellten Objekten gilt es als eine der größten privaten Glassammlungen der Welt – und es ist deutlich sehenswerter, als der bescheidene Zugang vermuten lässt.

Die Sammlung ist in drei Bereiche gegliedert: einen Saal der Antike mit Stücken aus Rom, Griechenland, Byzanz und der islamischen Welt sowie aus Venedig, einen prachtvollen „Thronsaal” mit Buntglasfenstern und mächtigen Gordiola-Leuchtern, und einen Weltsaal, der Glaskunst aus unterschiedlichsten Kulturen zeigt, bis hin zu Ming-zeitlichen Arbeiten. Dazu kommt eine Fachbibliothek. Der Eintritt ins Museum ist kostenpflichtig (zuletzt rund 8 € für Erwachsene, ermäßigt für Senioren und Kinder, kleine Kinder frei) – Preise und Öffnungszeiten prüfen Sie am besten vorab.

Handwerk mit UNESCO-Siegel

Seit Dezember 2023 zählt das Wissen und Können der handgefertigten Glasherstellung zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO – eine länderübergreifende Anerkennung, an der Spanien gemeinsam mit Deutschland, Frankreich, Finnland, Tschechien und weiteren Ländern beteiligt ist. Gordiola wurde zuvor von spanischer Seite als einer der beiden Vertreter dieser Tradition benannt. Wer hier steht, schaut also nicht nur einer hübschen Vorführung zu, sondern einem lebendigen Handwerk, das ausdrücklich als schützenswert gilt.

Ausstellungssaal des Glasmuseums mit historischen Glasobjekten in beleuchteten Vitrinen

Ein schönes Mitbringsel – und der beste Zeitpunkt

Der Verkaufsraum ist groß und angenehm unaufdringlich. Typisch sind die mallorquinischen fanals (Glaslaternen), Kronleuchter, Vasen, farbige Trinkgläser und die tropffreien Ölkännchen, die in vielen Inselküchen stehen. Kleine Gläser gibt es schon für wenige Euro; das Sortiment reicht bis zu großen Einzelstücken.

Der September ist dafür ein besonders guter Monat: Die größte Hitze ist vorbei, die Werkstatt vor den Öfen dadurch angenehmer, und die Insel wird spürbar ruhiger. Und wenn ein Tag einmal grau ist, ist Gordiola ohnehin die perfekte Antwort – hier drinnen spielt das Wetter keine Rolle.

Praktisch: Anfahrt und Tipps

  • Wo: Ctra. Ma-15 (Palma–Manacor), etwa bei km 19, Gemeinde Algaida – von der Finca Mia Limon nur wenige Fahrminuten.
  • Anfahrt: Mit dem Auto am einfachsten, direkt an der Landstraße, mit eigenem Parkplatz. Mit dem Bus fährt die TIB-Linie 490 mit Halt „Can Gordiola” (Fahrpläne vorab prüfen).
  • Zeit einplanen: 45 bis 90 Minuten reichen für Werkstatt, Museum und Shop.
  • Gut kombinieren: mit einem Bummel durch Algaida, einem Mittagessen im nahen Ca’l Dimoni oder der Auffahrt zum Puig de Randa.

Von der Finca aus ist Gordiola einer dieser Ausflüge, für die man nicht wirklich einen Plan braucht: hinfahren, eine Stunde staunen, mit einem warmen Glas in der Hand wieder zurück. Genau dafür liegt die Finca Mia Limon im Inselinneren so gut – das echte Mallorca beginnt hier direkt vor der Tür.